Jürgen Coße: „Wer bei der Jugendarbeit kürzt, spart an der falschen Stelle“


SPD-Bundestagsabgeordneter Coße im Austausch mit dem BDKJ Diözesanverband Münster
Münsterland/Kreis Steinfurt. Im Gespräch mit den Diözesanvorsitzenden des BDKJ Diözese Münster e.V., Timo Donnermeyer und Chiara Beyer, hat der SPD-Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Steinfurt, Jürgen Coße, wichtige Herausforderungen für junge Menschen in den Mittelpunkt gestellt. Der BDKJ vertritt im Bistum Münster rund 83.000 junge Menschen in katholischen Jugendverbänden.
Wachsende Kinder- und Jugendarmut
Ein Schwerpunkt des Austauschs war die wachsende Kinder- und Jugendarmut. Einig waren sich die Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, dass Kinder die Folgen von Armut unmittelbar erleiden, ohne selbst Verantwortung dafür zu tragen. Der BDKJ berichtete, dass seine Arbeit zunehmend armutssensibel ausgerichtet werde, um echte Teilhabe zu ermöglichen. „Jeder Euro, der im Sozialen investiert wird, spart vorsorgend auch Kosten und stärkt den Zusammenhalt“, betonte Beyer. Coße ergänzte: „Wir brauchen keinen großen oder kleinen Sozialstaat, sondern einen wirksamen Sozialstaat.“ Entscheidend seien unbürokratische Hilfen und eine deutlich vereinfachte Beantragung und Auszahlung von Sozialleistungen, gerade für Kinder.
Sorge über Kürzungen in der Kinder- und Jugendhilfe und Freiwilligendiensten
Direkt daran anknüpfend äußerten die BDKJ-Vertreterinnen und -vertreter ihre große Sorge über aktuelle und geplante Kürzungen im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sowie bei Freiwilligendiensten. Auch der BDKJ auf Bundesebene warnt aktuell vor Einsparungen und fordert stattdessen eine Stärkung dieser Strukturen. Coße stellte klar, dass er diese Entwicklung sehr kritisch sieht: „Wer bei der Kinder- und Jugendhilfe kürzt, spart an der falschen Stelle. Wir müssen im Gegenteil darüber sprechen, wie wir diese wichtigen Strukturen langfristig sichern, auch durch eine gerechtere Besteuerung großer Vermögen.“
Enorme Bedeutung des Ehrenamts
In diesem Zusammenhang wurde auch die enorme Bedeutung des Ehrenamts hervorgehoben. Jugendverbände seien Orte, an denen junge Menschen Verantwortung übernehmen und Demokratie konkret leben. „Wo Ehrenamt stark ist, ist die Demokratie stark“, sagte Coße. Sichtbar werde dieses Engagement etwa bei der bundesweiten 72-Stunden-Aktion des BDKJ: Innerhalb von drei Tagen setzen tausende junge Menschen eigenständig soziale, ökologische oder politische Projekte um und leisten damit einen direkten Beitrag für ihr Umfeld. Die nächste 72-Stunden-Aktion findet vom 10. bis 13. Juni 2027 statt.
Aufarbeitung von Missbrauch thematisiert
Abschließend wurde auch die Aufarbeitung von Missbrauch thematisiert. Der BDKJ kündigte an, eine umfassende Studie in allen angeschlossenen Verbänden auf den Weg zu bringen, um Fälle systematisch zu untersuchen und Prävention weiter zu stärken. Donnermeyer betonte: „Wir wollen Verantwortung übernehmen und konsequent aufarbeiten, wo Unrecht geschehen ist.“
Coße zog ein klares Fazit: „Den wahren Reichtum einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit den Schwächsten umgeht. Gerade deshalb dürfen wir bei Kindern, Jugendlichen und ihrer Unterstützung nicht sparen.“














