Ohne Lokaljournalismus wird die Demokratie von unten ausgehöhlt – Qualität erhalten


Bundestagsabgeordneter Jürgen Coße im Gespräch mit dem Presseverein Münster-Münsterland e.V. über Qualität und Stärkung des Journalismus
Münsterland/Kreis Steinfurt. „Demokratie bedingt qualitativen Journalismus. Wenn es keine neutrale Berichterstattung durch Lokaljournalistinnen und Lokaljournalisten mehr über das Geschehen vor Ort gibt, bricht eine wichtige Säule und Kontrollinstanz der Demokratie weg. Sie wird von unten ausgehöhlt“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis Steinfurt, Jürgen Coße, im Gespräch mit der Vorsitzenden des Pressevereins Münster-Münsterland e.V., Brigitte Lieb, und Kristian van Bentem, Vorstandsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des DJV-Landesverbands in NRW. Der Presseverein hatte sich an Coße gewandt, um über Forderungen des Deutschen Journalistenverbands zur Stärkung des Journalismus zu sprechen.
Mit Online-Angebot eine ganze Generation an Leserinnen und Lesern verloren
„Mit dem Aufkommen des Online-Angebotes der Verlage und Zeitungen haben wir schon vor 20 Jahren eine ganze Generation an Leserinnen und Lesern verloren. Hier hätte man ein bezahlbares Angebot für lokale Nachrichten schaffen müssen, statt fast alles frei zugänglich zu machen. Schließlich muss die Arbeit der Journalistinnen und Journalisten auch bezahlt werden“, sagt van Bentem.
Der Lokaljournalismus berichtet dort, wo das Leben stattfindet
Dabei berichte der Lokaljournalismus dort, wo das Leben stattfindet, wie beispielsweise in den Stadt- und Gemeinderäten. „Das Problem besteht darin, dass mit dem Schrumpfen der Leserzahlen und Anzeigen auch die Qualität des Journalismus zurückgeht. Verlage sparen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein und immer mehr Redaktionen werden im Zuge des Kostendrucks zusammengelegt und verkleinert. Das ist ein Teufelskreis“, sagt Lieb.
Mehr Korruption, Gewalt und rechte Parteien an Orten ohne Lokaljournalismus
Studien würden belegen, dass Orte, an denen es keine lokale Presse mehr gebe, stärker von Korruption, Gewalt und einem Erstarken rechter Parteien geprägt seien. Gemeinsam sprachen Coße, Lieb und van Bentem über Möglichkeiten zur Stärkung des Journalismus.
Vorschlag: kostenlose Jugend-Abos für Lokalzeitungen
Coße machte einen Vorschlag: „Das Österreicher Modell mit kostenlosen Jugend-Abos für Lokalzeitungen könnte ein Vorbild sein. Leider hat das die CDU im Bundestag nicht mitgetragen. Auch die Schulen sind ein wichtiger Ort, um Bildungsprojekte zum Thema Zeitung, Radio und Journalismus zu machen.“
Plattformabgabe, um Journalismus zu unterstützen - Luxemburger Modell
Einig war man sich darin, dass ein Gesetzentwurf beispielsweise über eine Plattformabgabe gut und wichtig wäre, um den Journalismus zu unterstützen und Neutralität zu bewahren. Wie beim Luxemburger Modell müsse das Geld aber direkt in Arbeitsplätze fließen.
Gespräche über Förderung und Stärkung von Arbeitsplätzen im Journalismus
Coße wolle in Bezug auf die Förderung und Stärkung von Arbeitsplätzen im Journalismus weitere Gespräche mit der Landesregierung und dem Sprecher der SPD-Fraktion für Kultur und Medien führen. „Denkbar sind auch gemeinsame Veranstaltungen mit dem Presseverein, Stiftungen und der kommunalen Ebene“, sagt Coße.
Forderungen des Deutschen Journalistenverbandes zur Stärkung des Journalismus














