Hohe Nachfrage: Physiotherapie mit robotischen Systemen – Sorge vor Vorschlägen der Finanzkommission Gesundheit


Bundestagsabgeordneter Jürgen Coße (SPD) besucht Therapiezentrum Poerschke in Ibbenbüren
Ibbenbüren. Die Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe vieler Patientinnen und Patienten hängt von einer guten therapeutischen Versorgung ab. Ambulante Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Ergotherapeutinnen und -therapeuten und Logopädinnen leisten einen entscheidenden Beitrag für ein selbstbestimmtes Leben.
Auf moderne robotische Systeme spezialisiert - Patientin aus Bremen
Das Therapiezentrum Poerschke in Ibbenbüren hat sich in den vergangenen Jahren auf moderne robotische Systeme spezialisiert. „Unsere Patientinnen und Patienten kommen nicht nur aus Ibbenbüren, Münster und Osnabrück. Zwei Jahre lang kam sogar eine Patientin einmal wöchentlich aus Bremen. Die aktuellen Vorschläge der Finanzkommission Gesundheit bereiten uns jedoch Sorgen“, sagt Thomas Poerschke, Inhaber und Unternehmensgründer der Praxis, im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten für das Tecklenburger Land, Jürgen Coße (SPD).
Interdisziplinär zwischen Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie
Während das Therapiezentrum in den vergangenen Jahren viel investiert, sich auf Neurologie spezialisiert und interdisziplinär zwischen Ergo- und Physiotherapie sowie perspektivisch auch Logopädie arbeitet, bestehe die Sorge, dass geplante Änderungen im Gesundheitssystem die Versorgung der Patientinnen und Patienten gefährden. Geschäftsführer Simon Poerschke: „Die geplante Rückkehr zur Grundlohnsummenbindung und die Begrenzung von Vergütungsentwicklungen bedeuten faktisch eine Deckelung der Versorgung – ausgerechnet in den Bereichen, in denen Therapie vorbeugt und Folgekosten verhindert, nicht verursacht.“
Blankoverordnungs-Pauschale Einschnitt für Weiterentwicklung der Therapieberufe
Auch die Blankoverordnungs-Pauschale sei vom Ansatz her gut und ein wichtiger Schritt zu mehr Autonomie der Heilmittelerbringenden. Dass die Vergütung noch vor wissenschaftlichen Evaluierungen gestrichen werden soll, sei ein deutlicher Einschnitt für die Weiterentwicklung der Therapieberufe.
Kooperationen und Demonstration der robotikgestützten Geräte
Physiotherapeutin Lina Egelkamp ist seit 2023 in der Praxis und erläutert Coße die Funktion der robotikgestützten Geräte, die er auch selbst ausprobiert: „Wir kooperieren mit ReWalk, Sanitätshäusern, der DRK-Wohngruppe sowie Rehaberaterinnen und Rehaberatern“, sagt Egelkamp. Das Therapiezentrum Poerschke behandelt sowohl privat als auch gesetzlich versicherte Patientinnen und Patienten gleichermaßen. Simon Poerschke ergänzt: „Wir möchten durch die geplanten Änderungen finanziell nicht dazu gezwungen werden, zukünftig mehr Privatpatientinnen und -patienten zu behandeln. Das wäre der falsche Weg.“
Strukturelle Probleme für Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind
Teil der Gesprächsrunde war außerdem Frank Poerschke, der als Patient mit einer inkompletten spastischen Querschnittslähmung seit drei Jahren Schritt für Schritt zurück in ein selbstbestimmtes Leben findet. Er berichtete insbesondere über strukturelle Probleme für Menschen wie ihn, die auf Unterstützung angewiesen sind. Er wünsche sich feste Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner im System, die echte Entscheidungskompetenz besitzen.
Oft schwieriger Austausch mit Rentenversicherung
Simon Poerschke ergänzt: „Ein Austausch unsererseits mit beispielsweise der Rentenversicherung gestaltet sich oft schwierig. Auch wir Therapeutinnen und Therapeuten müssen in der Warteschleife am Telefon hängen. Das kostet uns viel Zeit, die wir besser mit den Patientinnen und Patienten verbringen könnten.“ Die Kommunikation innerhalb des Systems sei oftmals noch recht holprig. Nach den Erfahrungen des Therapiezentrums seien funktionierende Schnittstellen und ein guter Austausch entscheidend.
Kontakt zur Sozialministerin Bärbel Bas aufnehmen
Coße sagte unter anderem zu, sich an Bärbel Bas zu wenden, um anhand konkreter Beispiele von Patientinnen und Patienten aufzuzeigen, was in der Versorgung gut laufe und welche Änderungen in die falsche Richtung weisen würden. „Ich werde Ihre Anliegen auch an die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, meine Kollegin Tanja Machalet, weitergeben. Es gibt immer mehr technische Möglichkeiten, den Patientinnen und Patienten nach Unfällen oder Erkrankungen zu helfen. Da sollten wir die Finanzierung nicht derart einschränken, dass sie diese Hilfe letztlich nicht in Anspruch nehmen können“, sagt Coße.
Problem der langen Wartezeiten in Physiotherapiepraxen
Ein weiteres Problem seien die langen Wartezeiten in den Physiotherapiepraxen. Coße: „Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Hier spielt auch der demografische Wandel stark mit hinein. In vielen anderen Ländern findet die Ausbildung zur Physiotherapeutin oder zum Physiotherapeuten an Universitäten oder Hochschulen statt. Damit könnte man den Beruf stärken.“













